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Clubman, ein Mann verlässt den Club.

Geschrieben von: Sandmann am 17.05.12  » Menschen und Maschinen - Artikel

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clubman ein mann verlaesst den club
Warum ein junger, einflussreicher Unternehmer garantiert keinen Mini mehr fahren wird. Weiterlesen → [...]

Sein Mini.

So sehen Neuwagenbesitzer aus

So sehen Neuwagenbesitzer aus

Fröhliche drei Jahre ist es jetzt her, dass mein Freund Andinho sich kurz vor Weihnachten einen alten Männertraum erfüllt hat. Zur Belohnung der Strapazen, die eine frische Selbständigkeit mit sich bringen, gönnt er sich den ersten Neuwagen seines jungen Lebens: Einen Mini Clubman. Diesen kleinen quirligen Lifestyle-Kombi, in der Farbgebung einem Schokotoffee nicht unähnlich. Abzuholen in Uelzen/Niedersachsen. Den neuen Besitzer taximäßig zur Fahrzeugübergabe zu bringen ist natürlich mein Job, handelt es sich hier schließlich um meine Heimatstadt. Und heute, obwohl ich mir den Bauch in Portugal bräune, hole ich die Geschichte noch einmal raus, denn nur drei Jahre später hat Andinho die Faxen dicke, tritt den Wagen und sein ursprüngliches Markenvertrauen in die Tonne und sattelt um. Aber fangen wir vorne an.

Ein Interieur wie in einem Club, Mann!

Ein Interieur wie in einem Club, Mann!

Als ich bei Autobild.de im Jahre des Herren 2007 das Bloggen anfing, hatte mein damaliger Chef so seine eigenen Sorgen mit seinem Mini. Er schrieb sie alle auf. Irgendwann, nach vielen vielen Blogs und wortgewandten Texten stellte er fest, dass er wichtigeres zu tun hatte und hörte auf, die ganzen Pannen und Macken schriftlich festzuhalten. Und gab das Auto bittersüß lächelnd dem Händler wieder. Doch kommen wir zurück zu Andinho. Mit feuchten Händen und klopfendem Herzen sieht er fasziniert zu, wie sein metallener Schatz rückwärts in die Verkaufshalle gefahren wird. Auch wenn ich persönlich nicht viele Mini-Affinitäten teilen kann, muss ich zugeben, dass Design und Farbgebung dieser Variante durchaus gelungen sind. Braunes Leder mit weißen Kedern, schwarzer Klavierlack in den Türen, zweifarbige Lackierung – der Mann sieht nicht nur gut aus, er hat Geschmack. Es ist ein echter Club, fehlt noch der Billardtisch. Doch wohin damit, ein Kombi (Kombi – braucht man nicht) ist es ja nicht wirklich. Die beiden kleinen Hecktüren sind aber extrem trendy.

Alles ist ready for iPod

Alles ist ready for iPod

Der freundliche Verkäufer erklärt dem stolzen Unternehmer alles im Innenraum relevante persönlich. Schöne neue Welt. Andinho lernt, wie er sein I-Phone via Bluetooth mit dem Soundsystem und der Freisprecheinrichtung koppelt, entdeckt die versteckten USB-Schnittstellen für externe MP3-Musikspeicher und jogshuttelt am großen Display die variantenreichen Unterhaltungsmöglichkeiten. Auch auf die elektrischen Fensterheber wird hingewiesen, schön, wie sie die Scheiben rauf und runterfahren lassen. Ein wenig wehmütig warte ich im Hintergrund auf den Moment, an dem irgend jemand mal die Motorhaube aufmacht. Aber der kommt nicht. Niemand will sich den Motor angucken. Es hätte sich vermutlich optisch ohnehin nicht gelohnt. Nahm der Motor uns das übel?

Nun ist es sein Club, Mann!

Nun ist es sein Club, Mann!

Er strahlt wie die Morgensonne an diesem kalten verregneten Novemberabend. Noch. Einen schönen Autowagen übernimmt er da, und nun hat er fast 2 Autobahnstunden Zeit, mit ihm Freundschaft zu schließen. Andinho ist festen Willens, keine lästige Pannenserie mit diesem verspielten, jugendlichen Fahrspaßmobil durchzumachen. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Diesmal ging auch noch alles gut.

Während der anschließenden familiären Jungfernfahrt nach Nürnberg zum Christkindelmarkt reißt zuerst ein Dämpfer der trendigen Hecktür ab. Das kommt vor. Aaaber… am kommenden Morgen findet die kleine Familie den Clubman im Parkhaus mit heruntergelassenem Fenster! Diagnose: Hebermotor defekt. Freundlich von ihm, dann gleich ohne Zündung das Fenster zu öffnen. Und? Das Auto behält man gleich hier in Nürnberg, ein Leihwagen wird natürlich gestellt. Unangenehmer Auftakt, ein Omen? Zumindest der erste Eindruck dieses Fahrzeugs ist in meinen Augen absolut hochwertig. Mag man sich täuschen?

Wilde Sau ist absolut machbar

Wilde Sau ist absolut machbar

Ja, mag man. Ich bin ihn gefahren, und ich bin ihn gern gefahren. Das Ding geht dank des kleinen “S” hinter der Typenbezeichnung echt ab wie die Katze von Schmidt, und das loungige Ambiente im Innenraum täuscht grandios über das ganze Plastikgeraffel hinweg. Fürwahr ein schönes Auto. Das war’s dann aber auch schon. Es ist eine Zeit lang unterhaltsam, dass die Fenster auch nach der Reparatur im strömenden Regen nachts aufgehen und der Wagen sich mit Wasser füllt wie eine Badewanne. Aber der Unterhaltungswert dieses Defekts schwindet irgendwann. Warten Sie, ich spul mal kurz ein paar Monate vor:

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Andinho jetzt hat keine Lust mehr auf Mini. Er war mal ein junger, selbständiger Markenbotschafter mit großem Kundenkreis und Freude am Fahren. Nach diversen weiteren Plänkeleien ist das Auto, noch keine drei Jahre alt, neulich in die Werkstatt gekommen. Mit dem Verdacht auf eine defekte Zylinderkopfdichtung. Was sich dann nach genaueren Untersuchungen als kapitaler Motorschaden herausstellt. Aha. 60.000 Kilometer auf der Uhr, alle Inspektionen akribisch durchgeführt und sittsame Fahrweise inklusive. Und der größte Hammer: Er soll über 3000 Euro der Reparatur selbst zahlen!

Gemeinsam rocken. Aber nicht mehr im Mini!

Gemeinsam rocken. Aber nicht mehr im Mini!

Unfassbar, was Konzern und Händler hier für ein Potenzial verbrennen. Statt eine umfangreiche Kulanzreparatur durchzuführen und den Glauben an die Marke zurück zu geben drückt man dem einflussreichen Selbständigen eine saftige Rechnung in die Hand und zeigt sich abweisend. Was kann ich von einem drei Jahre alten Auto erwarten? Und was von den Fachwerkstätten, die ihn betreuen? Eines ist klar: Andinho wird niemandem seiner Kunden empfehlen, jemals einen Mini zu kaufen. Ich auch nicht. Und zusammen kennen wir RICHTIG viele Menschen. Wer mit seinem Montagsauto sprichwörtlich mit herunter gelassenen Fenstern und verrecktem Motor im Regen stehen gelassen wird wechselt die Marke.

Andinho hat sich den neuen Beetle bestellt. Auch trendy und lifestylig, und er ist sich sicher, dass man ihn hier bei Volkswagen als Kunden ernst nehmen wird. Wie sehen Sie das? Kulanz vor Garantie? Recht vor Ruf? Teilen Sie uns Ihre Meinung mit, vielleicht haben Sie ja auch den einen oder anderen … nun… Schaden?

Sandmann

Original: Sandmanns Welt


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