Tag 2. Der Milchzahn muss raus!
Hej Gemeinde, hvordan gar det? Emma ist schon groß. So groß, dass ihr so langsam die Milchzähne wackeln. Bei Michel aus Lönneberga hat die Ida den Zahn mit dem Pferd rausgezogen. Lönneberga ist weit, wir sind hier in der Nähe von Houstrup, und wir haben nicht nur ein Pferd, sondern gleich 280 davon. Und alle unter der Haube. Also wird das gute Wetter und die entspannte allgemeine Stimmung dazu genutzt, diesen tand fachmännisch zu entfernen und Platz für einen neuen Beißer zu machen. Wir ziehen ihn raus. Mit einem 1993er Audi V8 4,2 Quattro.
In der wegen des guten Wetters touristenüberfluteten Dünenlandschaft rund um den Blabjerg herrscht muntere Aufregung. Letzte Vorbereitungen werden vom Team getroffen, man hat einen etwas abseits der gekennzeichneten Parkflächen gelegenen Sandplads aufgetan, auf dem die vier Breitreifen genug Grip für diese Aufgabe haben. Der leitende Ingenieur Örg prüft den Zustand des Zugfahrzeugs und die Reißfestigkeit der snor. Gute dänische Schafswolle. Der betreffende Schneidezahn an der Probantin ist fest verknotet, der Motor läuft, die Nerven liegen blank.
Ein Gefühl wie beim Pflaster-von-behaarter-Haut-abreißen. Nicht lange reden, das verzögert den Erfolg. Ich lasse den Motor hochdrehen, und turbinenartig treiben die vier Walzen, jede einzelne über das Torsen-Differential mit 70 Pferdestärken versorgt, den Boliden aus Neckarsulm voran. In der Zeitlupe, die sonst nur Albträumen vorbehalten ist, spannt sich das Seil zwischen dem Heckklappenschloss des V8 und Emmas wackelndem Schneidezahn. Mit einem trockenen *drupps* fliegt das Korpus Delikti aus dem Mund der Testperson, und mit sich entfaltendem Bremsfallschirm kommt das Zugfahrzeug einige 100 Meter hinter den Dünen wieder zum Stehen. Det gibber i én. Die Menge applaudiert stehend!
Alles wird gut. Wir haben es wieder einmal geschafft, uns vom maroden deutschen Gesundheitssystem abzusetzen und die Praxisgebühren schlank zu halten. Hier wurde Raum für Neues geschaffen, hier machten alte Beißheiten Platz für den Zahn der heutigen Zeit. Nun ist es raus. Emma strahlt im Kreis und wird ihren Mitschülern ihr schönstes Ferienerlebnis berichten können: Mein Papa hat mir zusammen mit dem Sandmann und 280 Pferden einen Zahn gezogen. Das war schön. Jetzt feiern wir den Tag mit Pölsern, Hotdogs, LuxusÖl und einem Besuch in der lokalen Schwimmhalle. Und meine Tochter bekommt ihre zweite Fahrstunde. Aber das ist eine andere Geschichte.
Indtil morgen, min vens.
De Sandmand


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