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Die Autos der Anderen

Geschrieben von: Sandmann am 26.10.09  » Menschen und Maschinen - Artikel

Inmitten der Blumenwiese"Kann ich mir mal schnell dein Auto nehmen?" ... Den Satz haben Sie schon einmal gehört, oder? Er klingelt in Ihren Ohren in den Varianten "mal nur kurz ausleihen, mal für einen Nachmittag, mal für einen ganzen Urlaub". Wenn Sie einen VW-Bus haben - sind Sie der beste Freund aller Umzugshelfer und Festivalbesucher. Wenn Sie ein zugkräftiges Auto mit Anhängerkupplung haben (und womöglich auch noch einen Anhänger) werden Sie auch gern gebucht, und wenn es für eine Ladung Müll zum Abfallwirtschaftshof ist. In vielen windigen WGs hängt der Autoschlüssel verlockend an der Pinwand, Unfälle werden dann kommunenhaft aufgeteilt (HA-HAA) und auf den Strafzetteln kann man ja sowieso erkennen, wer gefahren ist. *Grusel grusel*. Ich stelle mir ganz viele Fragen. Aber gar nicht rein theoretisch, weil ich auf der Suche nach einem neuen Thema bin, sondern ganz pragmatisch. Ich bin in Dänemark und möchte für nunmehr 8 hungrige Schnäbel frische Brötchen zum Frühstück holen, und Sarahs Seat parkt meinen V8 zu! "Kann ich mal schnell dein Auto nehmen?" Sarah hat nichts dagegen, dass ich ihn nehme, also nehme ich ihn. Whoah. Bin ich schon mal einen Seat gefahren? SO einen Seat?

Das Glücks-SchweinIch glaube nicht. Es handelt sich hier um einen Toledo aus den frühen 90er Jahren mit sagenhaften 90PS. Das ist für dieses nicht gerade geschmacksbildende Automobil eine ganze Menge, selbst Örg schwärmt mit in die ferne gerichtetem Blick begeistert von dem Anzugsverhalten des kleinen Spaniers, während er verschlafen an der Kaffeemaschine herumnestelt. Ob ich irgendwas bedenken müsste, frage ich beim Rausgehen. Verwunderte Blicke. Also, ob die Bremsen vielleicht nicht gehen oder die Fenster schnell beschlagen oder so etwas. Nein, alles okay, er ziehe lediglich ein bisschen nach links. Gut. Das Glücks-Schwein am Schlüssel solle besonders gehütet werden, es gehöre dazu. Da ist Sarah eigen, ohne dieses Schwein gibt sie ihr Auto nicht her. Derart vorbereitet gleite ich ein bisschen skeptisch in eine Blumenwiese von einem Auto mit dem mutigen Ziel, den 2 Kilometer entfernten Bäcker in einem Stück zu erreichen.

So ist also ein alter Seat von innen. Langweilige funktionelle Armaturen wie im Golf, alle Schalter sind an der richtigen Stelle, fühlen sich wertig an und funktionieren, jede Menge Platz und alles irgendwie ein wenig unaufgeräumt.

 
Haben Sie mal Feuer?
Haben Sie mal Feuer?
 
Praktisch...
Praktisch...
 

Der Toledo springt spontan an, dreht ruhig und rollt butterweich den Weg entlang. Fast 300.000 Kilometer hat die Stufenhecklimousine schon auf dem Buckel. Respekt!

Kein schöner HinternSarah ist keine große Freundin des klinisch reinen Fahrzeuginnenraums. Das stört mich nicht, das bin ich in meinem Umfeld in ganz anderen Dimensionen gewohnt! Sie passt soweit ganz gut zu Örg, der zum ersten mal in seinem Leben mit der historischen DS so etwas wie einen Ordnungssinn entwickelt und diese sogar schon einmal ausgesaugt hat! Für die leicht alternative Außenbemalung zeigt sich Sarah übrigens größtenteils unverantwortlich, das Auto war schon so, als sie es gekauft hatte. Seat rollt. Ich fahre einen Toledo, zum ersten mal in meinem Leben. Wahrscheinlich auch zum letzten mal, kennen SIE dieses Auto überhaupt? Ich habe den knubbeligen Exil-VW bewusst noch nie auf unseren Straßen gesehen. Ein moderner Exot. Und was für ein spritziger. Das macht ja richtig Spaß, den zu fahren...

Ganz schön große KlappeSchwupps bin ich im Zentrum von Henne Strand und erwerbe bei Kobmand Hansen die Backwaren fürs gemeinsame Frühstück. Wo lege ich die hin? In den Kofferraum, auf dem Rücksitz liegen... irgendwie... na ja, andere Sachen. Mensch, was für eine große Klappe! Das von der Zentralverriegelung freigegebene Heckklappenschloss klackt leise, und ich habe das Gefühl, das halbe Auto klappt auf! Großartig. Eine Stufenhecklimousine mit Heckklappe. Ich finde das toll, auch wenn meine Brötchentüte ein wenig verloren im riesigen Kofferraum hin und her kullert. Örg hatte mir noch von ein paar dramatischen Rostherden im Unterboden berichtet, die er erstmal notdürftig mit Silikon zugespachtelt hat, damit es nicht reinregnet... Das Wort Rost schreibt man bei diesem Modell offensichtlich groß. Diesen Manko und seine Beseitigung macht die arme Sarah abhängig vom schweißenden Kotelettenträger Örg, und Abhängigkeit steht ihr eigentlich nicht. Aber Örg schweißt ja gern, besonders bei einem so seltenen Exoten...

Sonnenaufgang in HenneAuf dem Weg zurück zum Ferienhaus machen sich trotz meiner Dankbarkeit, so ein Auto einmal erfahren zu dürfen, generelle Fragen breit. Wer haftet, wenn ich jetzt einen Unfall verursache? Was, wenn mir jetzt der Motor platzt? Rein juristisch? Aber das wird natürlich nicht passieren. Der Seat Toledo rollt genau so souverän und unspektakulär wieder zurück, wie sich der unaufgeregte Hinweg gestaltet hat. Mir bleibt sogar ein bisschen entspannte Zeit, die Fahrersitzumgebung zu erkunden. Im Wechsler hat sie die neue Tomte CD. Sehr sympathisch. "Und ich wander durch die warme Nacht"... Hinten liegt eine Menge Kaminholz, aber das scheint eine andere Geschichte zu sein. Hallo ihr Hungrigen - da bin ich wieder. Und ich habe Brötchen dabei! Und ich verleih' mein Auto auch, allerdings nicht an jeden. Weniger wegen des Misstrauens als mehr wegen der großen Motorisierung und des Automatikgetriebes. Aber ich geb's schon mal her. Klar. Wie ist das denn bei Ihnen so?

Geben Sie Ihr Auto mal an "die Anderen" ab? Auch mal für länger? Haben Sie schon schlechte Erfahrungen, gar Rechtsstreitereien deswegen gehabt...? Na - nun lese ich aber mal...

Sandmann

 

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