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Audi V8 4,2 Quattro von 1993 - eine Schadstoffbilanz

Geschrieben von: Sandmann am 02.01.10  » Menschen und Maschinen - Artikel

Kurz vorher, an der Ampel…Die ganze Welt, oder zumindest fast ganz Deutschland, fährt inzwischen von der Abwrackprämie unterstützte Kleinstwagen. Elektroautos sind in aller Munde. Klimagipfel scheitern zwar, aber das Thema scheint ernst. Und ich? Ich fahre noch immer ein schon damals unvernünftiges Auto, das seit dem jahreswechsel nun schon 17 ist. Mein Audi hat irgendwann 2007 mal die magische 400.000 Kilometer-Marke geknackt. 10 mal um die ganze Welt. In 14 Jahren. Damit kann man recht rund rechnen, Zeit für mich, mir zumindest ein paar Gedanken zu machen, ob das wohl mein persönlicher Beitrag zum Klimaschutz sein könnte. Denn die Meinungen zum Klimawandel und zum Umweltschutz gehen weit auseinander. Ich stelle jetzt einmal eine blauäugige Milchmädchenrechnung auf und behaupte, dass ich mit dem Erhalt dieses Dinosauriers vielleicht umweltfreundlicher sein könnte als ein Neuwagenkäufer. Bin gespannt, was Sie zu ergänzen / zu kommentieren haben. Vorsorglich lege ich die Schutzkleidung an... Also los...

Mein Audi hat seit dem Jahre 1993 nun 400.000 Kilometer zurück gelegt. Bei einem durchschnittlichen Benzinverbrauch von 15 Litern Super macht das 60.000 Liter Super (oh jeh mir wird jetzt schon ganz schlecht). Legt man einen CO² Ausstoß von 300g/km zugrunde, hat der Wagen in seinem bisherigen Leben 120 Tonnen davon rausgeblasen. Nur der Vollständigkeit halber: In dem verbrauchten Kraftstoff steckt eine Energie von rund 260.000 Kilowattstunden. Aber lassen Sie uns lieber nicht vom Wirkungsgrad eines Verbrennungsmotors sprechen, da wird Ihnen ganz anders. So Tacho, mach ihn rund:

Die Meilen sind rund!Tataaaa! *tusch* Meine Mama schimpft schon seit einiger Zeit mit mir, warum ich mir nicht endlich ein umweltfreundlicheres Auto zulege. Einen schicken zeitlosen Golf. Der hohe Benzinverbrauch und der katastrophale CO² Emissionswert des alten V8 seien doch wirklich nichts für ein gutes Gewissen, schließlich habe ich zwei Kinder und die wollen doch auch noch etwas von dieser Welt atmen. Aber liebe Mama. So einfach ist das nicht. Neue Autos entstehen ja nicht einfach aus dem Nichts, die müssen gebaut werden. Und alte Autos müssen dann verschrottet werden. Und neue Autos verbrauchen ja AUCH Benzin, oder nicht? Pass auf: Nehmen wir einmal an, ich hätte die letzten 200.000 Kilometer nicht in meinem Dickschiff, sondern in einem eleganten neuen Golf 4 zurück gelegt. Sie da in der hinteren Reihe, hören Sie bitte auf zu lachen! Mal unabhängig von den teuer zu behandelnden Depressionen kämen wir auf folgende Werte:

Auf dieser Strecke würden dann bei einem Schnittverbrauch von 8 Litern/100km 16.000 Liter getankt worden sein (würden worden sein, was ist das für ein Tempus?), also eine Differenz von 14.000 Litern. Bei 160g CO²/km läge das Designwunder bei 32 Tonnen, also eine Differenz von 28 Tonnen CO². Stimmt das nachdenklich? Ja, ABER:

  • Bei der Produktion eines normalen Neuwagens werden 200.000 Liter (das sind 200 Tonnen!) Frischwasser verbraucht.
  • Für den Produktionszyklus wird die Energie von rund 1400 Litern Benzin verbraucht
  • Aus einer Produktionslackiererei werden jährlich rund 180.000 Tonnen Sondermüll in Form von Schlamm entsorgt
  • Alle Zulieferer verursachen auf ihren Wegen Umweltschäden
  • Die Entsorgung meines Audis würde weitere 6000 Kilowattstunden Energie verschlingen

Jubiläum - Die Arme zum Himmel!
Jubiläum Die Arme zum Himmel!
Das alles habe ich also der Umwelt erspart, weil ich meine alte Karre weiter fahre und sie ja sogar seit 20.000 Kilometern mit LPG bewege, aber das habe ich hier einmal vernachlässigt. Also die Arme in den Himmel gestreckt bei 400.000 Kilometern? Bin ich ein guter Mensch, der die Umwelt schont, weil er KEINEN Neuwagen hat produzieren lassen? Und bin ich eigentlich doof, weil ich bei dem Jubiläums-Foto meinen Kopf und die gereckten Arme abgeschnitten habe? Nein, das ist gewollt, irgend jemand sagt immer, ich soll hier nicht so viel Selbstdarstellung betreiben und meine Bilder auf das Auto reduzieren. Also bitte, hier hast du.

Ein Milchmädchen, was nicht rechnen kannUnd was haben wir hier? Das ist das Milchmädchen von Vermeer. Natürlich spielen in eine solche Rechnung noch sehr viel mehr Faktoren rein. Ein Neuwagen schafft genau wie das Recyceln von Altfahrzeugen Arbeitsplätze (die Produktion von Unmengen von Ersatzteilen allerdings auch). Weiterhin spielen in diese Rechnung auch die anderen Kosten mit hinein, Reifenabrieb, Schmiermittel, Öle und Flüssigkeiten, die Frage, ob man überhaupt ein Auto fahren muss, was 280PS hat und 15 Liter verbraucht. Aber darum geht es mir hier nicht, ich möchte keine empirisch belegte wissenschaftliche Studie veröffentlichen. Aber wenn Sie das nächste mal in eine der beliebten Schadstoff-Diskussionen einsteigen, bedenken Sie nicht nur den Ist-Zustand... Bedenken Sie auch, was Sie angeleiert haben und was Sie zurück lassen... Strom, und sei er noch so hoch subventioniert, muss auch produziert werden. Genau so wie das Auto, was ihn verbraucht. Meines ist schon da. Die einzigen Schadstoffe, die da noch anfallen kommen aus dem Auspuff. Inzwischen, also Anfang Anno 2010, liege ich sogar bei 460.000 Kilometern, also fast 80.000 davon auf Gas. Irgendwann wird es mal einen Bericht geben, der von verlorener Lebensfreude aufgrund von viel zu kleinen Autos spricht. Ein Aspekt, den die Theoretiker aber nicht mit einbeziehen. Ich hier wie gesagt auch nicht. Ich cruise weiter und habe ein reines Gewissen.

Na los, nehmen Sie mich auseinander!

Sandmann

 

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