Himmel, wie viele Klischees kann man eigentlich bedienen, wenn man ein Mann ist und ein eigentlich zu großes Auto fährt? Wollen Sie gleich alle Klassiker auf einmal? Ja? Also: Als Mann (und ich behaupte, einer zu sein) mit Autoaffinität ist man(n) ohnehin umgehend in der komfortablen Schublade der ECHTEN Männer. Es wird demnach behauptet: Ich grille gern Fleisch, gucke Formel 1 und Bundesliga, bin wortkarg und gefühlsarm und zeige generelle frauenfeindliche Tendenzen. Genau! Dass ich außerdem ein sehr großes, altes Auto mit einem noch größeren Motor fahre liegt natürlich daran, dass ich damit andere Dinge kompensieren muss. Richtig! Und beim Einparken bin ich sowieso der König, weil alle Frauen das ja nicht können. Noch nie konnten. Klar! Wird Ihnen schon schlecht? Mir auch. Umso charmanter klingt die Wette meines Kollegen, der mit seinem Ford Focus schmollend die gezeigte teuer angemietete Parklücke gemieden hat, weil er glaubte, dort nicht rein zu passen...
Von oben, aus unserer Pantry, sieht die Parklücke sehr herrenhaft aus. Da passt sogar ein fast 5 Meter langer und über 1,80 Meter breiter Audi V8 rein, erkläre ich mit selbstsicherem Unterton. Und wenn da sogar ein Audi V8 reinpasst, dann doch ein Ford Focus allemal. Phrasen wie "Du Mädchen" und "Bauch einziehen" fallen, bis es meinem Kollegen zu blöd wird und er mir - klassisch - ein Sixpack Bier anbietet, wenn ich meinen kleinen Schwarzen einigermaßen problemlos in die Parklücke zirkel. Mein zweiter Kollege ergänzt mit skeptischem Blick die Voraussetzung, dass ich mein Auto auch wieder durch die Fahrertür verlassen kann, ohne ihm nennenswerte Dellen in sein geliebtes und noch nicht ganz so altes Audi Cabrio zu schlagen. Na, darauf gehe ich doch gern mal ein! Den Kleinstwagen unseres Auszubildenden darf ich leider nicht zur Seite schieben, dann wäre die Hau-Ruck-Aktion mit dem neckarsulmer Altmetall sehr einfach gewesen...
Okay. Wenn man die ISO-Perspektive des verzerrenden siebten Stockwerks erst einmal verlassen hat und vor der genannten Parklücke steht, kann man zumindest im Ansatz nachvollziehen, warum mein geschätzter Focus-Kollege ohne viele weitere Gedanken einen alternativen Parkplatz gesucht hat. Warum sieht die Lücke denn von hier unten auf einmal so klein aus? Und irgendwie ist mein Auto heute breiter als sonst. Aber Freunde - auf die Größe kommt es in diesem Fall ja nun wirklich nicht an. Oder doch? Hätte der 17 Jahre alte Bolide diese heute obligatorischen Abstandswarner, sie würden in einem mehrstimmigen Stakkato der Piepgeräusche das Lied des sofortigen Anhaltens singen. Hat er aber nicht. Also muss ich mich auf mein Gefühl, meine Rückspiegel und meine Augen verlassen. Hoffentlich nicht auf meine Ohren. Finden Sie das oldschool? Ich hab auch noch einen Plattenspieler zu Hause. Ooooooh das ist in der Tat ein wenig eng! Haben wir da den Mund ein bisschen zu voll genommen? Nun, Sie wissen ja vielleicht auch, was man als Mann alles für ein kaltes Bierchen zu tun gedenkt, auch wenn Schnee liegt. Ich breche die Aktion verrückterweise nicht ab und taste mich weiter vor.
Spiegel an Spiegel stehen die beiden schwarzen Autos, zwischen denen ansonsten ganze Welten, was sage ich, ganze Universen liegen! Die Fahrertür lässt sich öffnen, und ich nutze den Bonus der Entfernung zu meinen Beobachtern in jener Küche, um mit einem Lächeln im Gesicht so zu tun, als würde ich problemlos aus eben jener Tür herausgleiten. Selbstverständlich ohne das Cabrio zu berühren. Der leichte Krampf in meinem linken Fuß und der Schmutz auf meiner Jeans waren schon vorher da. Die Mundwinkel und der Kameraerprobte Blick nach oben lassen einen nahen Triumph vermuten. Und? Und??? Sandmann ist raus, der Audi steht und ich bin um ein Sixpack reicher. Tjahaaaaa, echte Männer stehen zu ihren Vorhaben. Und das wäre doch mit einem Ford Focus sogar ohne Nachsetzen gegangen, oder nicht?
Mit viel Gefühl passt maximal eine Auto Bild zwischen die Autos. Ein bisschen stolz bin ich schon. Einige Menschen retten die Welt, andere gewinnen Nobelpreise und kämpfen für den Frieden. Und wir in unserem kleinen Microkosmos schließen Männerwetten ab, die auch nur Männer durchziehen würden. Vom KÖNNEN möchte ich an dieser Stelle nicht sprechen, auch wenn es Statistiken gibt, die ein durchaus unterschiedliches Funktionieren von Mann und Frau hinter dem Steuer belegen. Beim Parken und Ein- oder Ausparken scheiden sich die Geister, und beide Geschlechter werden ihre Horrorgeschichten zu erzählen wissen. Meine persönlichen Erfahrungen liegen da ein wenig neben den Klischees, ich würde mein halbfinnisches Fräulein Altona eher mit irgend einem Auto fahren lassen als die meisten meiner männlichen Freunde. Sind Männer wirklich anders als Frauen, was Autos anbelangt? Was sind Ihre Erfahrungen diesbezüglich?
Sandmann


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