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Alles... alles wird kleiner.

Geschrieben von: Sandmann am 26.07.10  » Menschen und Maschinen - Artikel

Diese Erfahrung machen täglich die männlichen Badegäste an Nord- und Ostsee, wenn sie aus der warmen Sonne in das kalte Wasser gehen. Aber auch außerhalb der Badesaison werden aus vermeintlichen Sauriern nach und nach Eidechsen. Aus Chevy Bel Air wird Chevy Matiz, aus Opel Diplomat wird Opel Agila. Aus Musiktruhen werden iPods, aus Big-Towern mit Röhrenmonitoren werden Laptops. Vor genau drei Jahren schickte ich mich an, 17 Computer von a nach b zu fahren, und mein Auto zeigte sich im Rahmen der "Kombi? - Braucht man nicht!" Trilogie ganz schön überladen! Was ist seit dem passiert? Es sind heute wieder 17 Rechner, es ist das gleiche Auto, aber das war's dann auch schon mit den Gemeinsamkeiten.

Heute kann mein Telefon mehr als die Computer, mit denen man vor 40 Jahren noch zum Mond geflogen ist. Elektrische Geräte schrumpfen, während ihre Leistungsfähigkeit wächst. Habe ich von drei Jahren noch mein gesamtes Auto benötigt, um heldenhaft die Ausstattung eines kompletten EDV-Schulungsraums zu transportieren, genügt heute eine Klappbox auf dem Rücksitz und ein Pappkarton im Kofferraum. Ist das nicht schräg? Ein komplettes Netzwerk, ein Drucker, ein Beamer, Mäuse - alles drin, alles dran und alles passt sozusagen ins Handtäschchen. Wenn ich das damals schon geahnt hätte...

 

Da bleibt auch ein bisschen Platz für den Hütehund im Fußraum. Vor drei Jahren quetschte sich da noch unser Praktikant auf den weit nach vorn geschobenen Sitz und pfiff wie ein Wasserkessel. Schon damals lobpries ich die Flachbildschirme im Vergleich zu den ganz alten Röhrenmonitoren! Heute bau ich das komplette System in einer halben Stunde allein auf. Cool. Es ist einer dieser Momente, an dem ich mich über technischen Fortschritt freue. Was wird heute in drei Jahren sein? Noch kleiner geht es nicht, weil dann die Bildschirme nicht mehr zu lesen sind. Oder?

Umgeben von Rechnern. Singe ich doch in verschiedenen Artikeln ein Lied auf die elektronische Überschaubarkeit meines Audi V8, merke ich gar nicht, wie sich heimlich, still und leise andere kleine Helferlein in mein Leben stehlen und nach einiger Zeit nicht mehr wegzudenken sind. Wie lange habe ich schon keine Straßenkarte mehr auf dem Schoß gehabt? Ich vertraue dem Navi mit seiner angenehmen Sprechstimme fast blind, das hat nicht immer Vorteile. Und ich werde nervös, wenn ich mein Telefon einmal abschalte. Vielleicht will mich ja gerade jetzt jemand erreichen, vielleicht ist es echt ganz ganz wichtig? Immer wieder auf das Display gucken, habe ich da nicht das SMS Signal gehört? Wie habe ich damals eigentlich überlebt?

Einerseits banale Erleichterung, weil ich nicht mehr so viele schwere Computer in die vorhandenen Stauräume meines Autos stopfen muss. Gegensteuern auf der anderen Seite, damit ich nicht jede freie Minute am Steuer für andere Aktivitäten nutze! Das Navi lenkt mich optisch und akustisch bis zum Ziel, ich brauche fast gar nicht mehr auf die Schilder gucken (und lande eventuell im nächsten Hafenbecken). Und noch schnell mal bei Facebook die Nachrichten gecheckt. Oder bei google maps geschaut, wo das Restaurant heute Abend ist und was es für Kritiken bei quipe bekommen hat. Was machen meine ebay Auktionen? Oder...

Ich mache das Navi aus und blicke auf die Landschaft vor mir. Ich lege das Handy beiseite. Und höre mal wieder Musik. Und mache ansonsten nichts als - fahren. Kennen Sie das? Einfach nur fahren? Das ist schön. Ich hatte fast vergessen, wie sich das anfühlt.

Sandmann


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