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Midd'm Öl nich spaasam sein! Werner!

Geschrieben von: Sandmann am 26.08.10  » Menschen und Maschinen - Artikel

Ein frühherbstliches ALOAH nach da draußen,

ich bin noch immer dabei, mir die Sorgenfalten aus dem Gesicht zu bügeln. Es ist nicht etwa ein neuer Krieg im nahen Osten oder eine weitere Steuererhöhung, nein, nicht ganz. Schuld ist der Motor meines Audi V8. Kennen Sie das? Wir Autonarren sind eigentlich die Ruhe selbst, aber wenn unmittelbar, unerwartet und unangekündigt ein unangenehmes Geräusch unsere gewohnte Akustig unterbricht, wird uns unwohl. Nach der lange erwarteten Pinkelpause auf einem verlassenen Rastplatz irgendwo an der A7 schrappelt der neckarsulmer Alublock wie eine geschüttelte Dose Nägel, trotz seidenweichem Lauf und vibrationsfreiem Gezünde. Ja wie? Leichenblass rolle ich nach der Autobahn in die nächstbeste Parklücke und entriegel mit ganz vielen komischen Weltuntergangsgefühlen die fußbalfeldgroße Motorhaube... Was mich da jetzt wohl erwartet???

Der theoretischen Möglichkeiten sind da viele.

Ein frierender Marder, der mit den Zähnen klappert. Unwahrscheinlich. Ein abgerissenes Ventil (Sie sehen schon, da bin ich ein wenig paranoid), welches im Zylinderkopf Edelmetall-Tetris mit dem Kolben spielt. Äh. Nein. Hoffentlich nicht. Eine Gasrail, die den abgebrochenen elektromagnetischen Stössel in die Ansaugbrücke treibt und wieder heraussaugt. Aber das würde den Gleichlauf entscheidend beeinflussen. Oder vielleicht ein sich selbst auflösender Klimakompressor, der seine sterbenden Komponenten gerade durch die Druckleitungen auf den Hauptbremszylinder und das Lenkgetriebe verteilt. Hm. Was steht diesbezüglich im Handbuch für gute Hauswirtschaftler? "Wenn es irgendwo quietscht, fehlt Öl". Öl. Da war doch mal was. Der Vierzwo ist diesbezüglich kein Kostverächter, zumal nach einer Laufleistung von nunmehr 482.000 Kilometern auch die damals innovative Nikasilbeschichtung der Zylinder nicht mehr in voller Pracht vorhanden sein dürfte. Wann habe ich eigentlich das letzte mal nach dem Ölstand geguckt?

Oha. Das ist lange her. Für einen Audi V8 ZU lange. Haben Sie Ihren Ölpeilstab schon einmal aus den Tiefen einer 8 Liter fassenden Ölwanne gezogen, und er war trockener als die Sahara? Nichts. Nicht einmal ein kleiner, schwarzer Tropfen, der durch die Bewegung irgendwie hochgeschleudert wurde! Mich plagt ein unsagbar schlechtes Gewissen. Wie würde ich mich an der Stelle meines treuen ABH-Motors fühlen? Vernachlässigt, wie wohl auch einige andere Komponenten meines 17 Jahre alten Alltagswagens. Ich sehe schon die steinigenden Blicke der V8-Jünger, die von dieser Geschichte Wind bekommen. "Wie kannst du das wagen?" und "Was tust du diesem technischen Kulturgut bloß an???". Okay, wenn ich's recht überlege, höre ich das ohnehin schon seit 10 Jahren, und ich habe ungeachtet dessen dieses Auto schon weiter bewegt und länger besessen als die meisten anderen Besitzer. Aber wo sie recht haben...

Baumarktöl. Ich habe nur noch einen Kanister Baumarktöl im Kofferraum! Mist. Heute bleibt dem alten Audi aber auch nichts erspart! Liebevoll drücke ich eine nicht sehr vorteilhaft über dem Einfüllstutzen verlegte Gasleitung beiseite und lass' laufen. Und warte. Und messe. Und lass' noch mehr laufen. Und warte. Als der Kanister fast vollständig im Bauch des Triebweks verschwunden ist, lasse ich vorsichtig den Motor an und warte auf einen sich aufbauenden Öldruck. 3 Bar, 4 Bar, 5 Bar - und das Klappern ist weg. Uff. Die Nockenwellen laufen nicht mehr blank auf den Ventilen und der Bolide seufzt hörbar. Ich auch. Wieder einmal war es schlicht Nachlässigkeit und kein Ventilschaden, so langsam müsste ich mich doch eigentlich an diese Momente gewöhnt haben...? Der Abend ist zumindest gerettet, und morgen gönne ich ihm auch noch eine Wäsche. Samstag geht's ja ins Südseecamp bei Soltau, da soll der alte Herr noch ein bisschen schön aussehen neben den ganzen penibel gepflegten Schätzchen :-)

Sind Sie auch schon einmal ohne Öl gefahren?

Sandmann


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