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Brillenkauf

Geschrieben von: jo fischer am 22.01.10  » Bikes - Artikel
jo fischer
jo fischer
Spätestens wenn sich das Mopped in Bewegung setzt und die utopische Geschwindigkeit von sechzig Kilometern in der Stunde erreicht, dann stellt man schnell fest, daß man ohne guten Augenschutz den Ausstößen der Vorrausfahrenden schutzlos ausgeliefert ist.
Auch sämtliches Getier, welches sich an den ersten warmen Tagen des Lebens erfreut will scheinbar nur in meine Augen. Was ist denn an meinen Augen so schön?

Neben Kieselsteinen, Dieselruß und `ner Menge Kleingetier mögen meine Augen auch die direkte Sonneneinstrahlung nicht besonders. Ich selbst mag das auch nicht so, denn beim andauernden zukneisten entwickeln sich schneller Krähenfüße als einem lieb ist.
Ja, auch Mann von heute will gepflegt sein und hat sich spätestens seit Emanzipierung der Frau umorientieren müssen.

Wie sieht denn das aus, ein sonnengebräunter Alabastakörper mit obenliegenden Krähenfüßen? Ja, ich gebe zu, ich bin ein Musterexemplar von Mann nur leider ohne Alabasterkörper und sonnengebräunt bin ich auch nicht. Seit ich in einer Frauenzeitschrift über die Gefährlichkeit der UV-Strahlung gelesen habe, ist mein Körper verhüllt und ich sehe eher aus wie eine Frau aus Islamabad.

Nun denn. Sicher, mir wurde oft schon die Frage gestellt, warum ich denn ohne Sonnenbrille fahren würde. Nicht etwa aus Gründen der Selbstgeißelung im Augenbereich etwa, aber auch nicht um am Abend nach einer Tour Schmerzen zu haben. Ich bin schlichtweg zu dämlich, eine Sonnenbrille mehr als eine Woche mein Eigen zu nennen. Deshalb habe ich auch bisher immer auf die billigen Produkte diverser Hersteller zurückgegriffen.

Ich muß mich korrigieren, ich hatte ein Exemplar auch schon mal eine ganze Saison. Leider nur waren die Gläser als solche nicht mehr erkennbar. Sah eher aus wie ein billig geschliffenes Glas an dem sich ein Lehrling des ersten Lehrjahres versucht hat.

Aber in diesem Jahr sollte alles besser werden. Ich habe mich mal im Bekanntenkreis umgeschaut. Vielmehr habe ich auf die Sonnenbrillen geachtet. Man, gibt es da viele. Von helldunkel bis dunkeldunkel. Weil ich ja richtiger Rocker bin, sollte es schon eine in dunkeldunkel sein. Das hat unteranderem noch den großen Vorteil, daß man sich am Badestrand mit Frau unterhalten, aber gleichzeitig in diverse Ausschnitte blicken kann. Nicht das ich so etwas tun würde, ich ziehe es nur als Möglichkeit in betracht.

Da ich immer noch das Internet als banhbrechendste Erfindung des vergangenen Jahrhunderts halte, nutze ich es auch und bekomme den Mund immer noch nicht zu.
Das Internet hat den für mich großen Vorteil, daß man nicht erst in sämtliche Läden krauchen und sich mit anderen Kunden um die einzigen Sonnenbrillen kloppen muß. Nein, ich kann mich hier zurücklehnen, einen Kaffee schlürfen und total easy irgendwo bestellen.

Als ich da so sitze kommt Frau nach Hause. Man, ich sach euch. Immer wenn die kommt, gehe ich. Nur diesesmal saß ich in der Falle. Ich habe nicht gesaugt und faul rumgesessen hab` ich auch noch. Zumindest dachte sie es. Aber das ich auf einer augenlichterhaltenden Recherchetour war, konnte sie nicht wissen.

Ich faselte was von Sonnenbrille, nachdem sie mich fragte was ich da machen würde.
Aber, sagte sie, da musste schon in ein Fachgeschäft und dich beraten lassen. Außerdem weißt du doch gar nicht, wie die Brille bei dir aussieht.
Recht hat Frau ja. Ohne zu überlegen verließ ich die Wohnung, ging in die Garage, knnnrk, rausgeschoben und los. Ich fuhr in das größte zusammenhängende Konsumparadies der westlichen Hemisphäre. Nur da, am Broadway der Schönen und Reichen könnte ich fündig werden und meinen gestraften Augen die Wohlverdiente Sonnenbrille gönnen.
Ich blicke auf ein vielversprechendes Geschäft, ein Optiker, der neben Sonnenbrillen noch allerhand anderen Müll vertickt. Jeder muß eben sehen wo er bleibt. Ich also rein. Stehe da so rum, dumm. Ein freundlicher Herr in edlem Sommerdress bot seine Hilfe an.

Ich muß eins klarstellen: Ich bin ein Mann. Auf fremde Hilfe bin ich nie angewiesen. Fremde Hilfe nehme ich nur von Frau an, aber die ist ja nicht fremd und außerdem passt das hier nun überhaupt nicht rein und schon gar nicht werde ich über mein Paarungsverhalten berichten. Das dieses Thema ein für allemal vom Tisch ist!

Ich werde also freundlich zum Ständer gelotst. An diesem Ständer hängen also etwa einhundert Sonnenbrillen zwischen zehn und vierzig Euros. Nee sach ich, ich will was gutes für meine Augen. Gut sacht er, kommse mal mit. Wir gehen eine Etage höher. Ich war im Augenparadies. Sonnenbrillen von Designern. Schade nur, daß es noch keine Brillen von Paul Yaffee gibt...

Ich probiere verschiedene auf, doch keine will richtig in mein Gesicht passen. Da fällt mir wieder der Spruch von Frau ein. Sie meinte mal, mein Kopf hätte eine eher slawische Form. Danke sach ich und seitdem lebe ich damit.

Sicher hat der Verkäufer auch gleich gedacht, warum ein akzentfrei deutschsprechender Rumäne auf einer Harley mit verhülltem Gesicht und schwarzem Umhang als Frau verkleidet einen Brillenladen betritt.

Ich hatte mich mittlerweile bei Ray Ban eingependelt. Der Preis war mir in diesem Augenblick wurscht. Ich probierte erneut verschiedene auf. Nichts. Ich war verzweifelt und wollte anfangen rumänisch zu weinen. Da drehte der Herr den Ständer um eine halbe Umdrehung. Er meinte: Setzen sie die mal auf. Hach, dachte ich so eine Fliegerbrille? Mit Goldrand und grünbraun getönten Gläsern? Ich wollte ihm ja nicht extra erklären, daß ich Rocker bin. Das hat er sicherlich schon bemerkt. Und da sacht er ganz von sich aus: Die gibts auch noch dunkler. Ich setz die also auf und war von nun an der deutschsprechende, harleyfahrende Rumäne mit Frauenkleidern, der sich Dank Brille wie ein Pornostar fühlt.
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