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Nürburgring 24h-Rennen: Eifel zum Feiern

Geschrieben von: Roland Löwisch am 29.05.09  » Motorsport - Artikel

Herrlich: Abhängen bei Motorenlärm
Herrlich: Abhängen bei Motorenlärm
Kopfschüttelnd steht der eine oder andere Aston Martiner in Box 10 und wundert sich. Keine zwei Meter entfernt wuseln mindestens 20 perfekt in schwarz und rot gekleidete Japaner um ihre Lexus LF-A, die zu oft herein geschoben werden müssen. Die britische Crew hingegen macht einen wesentlich weniger militärisch gedrillten Eindruck, aber auch einen viel entspannteren. Und das, obwohl die winzige Box voller Zuschauer, Fotografen, Mechaniker, Offizielle und neuen sowie abgefahrenen Reifen ist. Aber die Autos liegen gut im Klassement.

 

So ist das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring: britische Coolness gegen japanische Ordnung, französische Baguette gegen deutsche Currywurst, 200 PS gegen 500 PS, Ford Mondeo gegen Audi R8 LMS, VW Scirocco Erdgas gegen Ford GT. Und das Publikum hautnah an den aktiven Piloten, die Piloten hautnah am Feuerwerk beim Wippermann. 24h in der Eifel, das ist Stuck zum Anfassen, Viper zum Streicheln, Eifel zum Feiern.

Getümmeö in Box 10: Aston Martin neben Lexus
Getümmeö in Box 10: Aston Martin neben Lexus
Kurven, wohin das Auge blickt...
Kurven, wohin das Auge blickt...

Die Hardcore-Fans bauen schon sieben Tage vorher ihre 50-Quadratmeter-Häuser am Brünnchen, Musikanlagen zwingen allein mit ihren Bässen gestandene Autoanhänger in die Knie. Deutsche Schlager werden genauso kritiklos konsumiert wie Bier aus ganz Deutschland, und in der Nacht vom Sonnabend auf den Sonntag, wenn das Rennen schon acht Stunden läuft, leuchten starke Beamer durch dichten Qualm zwischen Karussell und Pflanzgarten, der die Diskussion über CO2 aus Autoauspüffen ad absurdum  führt – der neutrale Beobachter denkt da eher an CO3 oder CO4... Es stinkt, als hätte sich so manch mitgebrachter Suppenhund den Schwanz am Grill verbrannt, fluchende Sanitäter quälen sich mit Schnapsleichen im Gepäck durch den Stau auf der B 412. Wer jetzt noch ernsthaft dem Renngeschehen folgt, hat entweder zu wenig Alkohol dabei oder  sich in der Tribüne geirrt. Kurz: Wunderbar – anders dürfte Deutschlands größte Motorsportparty gar nicht sein.

Blickfang: Manchmal sind Autos Nebensache
Blickfang: Manchmal sind Autos Nebensache
Lexus LF-A in besten Händen
Lexus LF A in besten Händen

Da geht es doch deutlich disziplinierter bei den Rennteams zu. Das Hauptgetränk ist bei den meisten Fahrern Wasser, die Hauptmahlzeit eine Pille gegen Seekrankheit – das ständige Auf und Ab auf der 25378 Meter langen Strecke macht doch mehr Piloten zu schaffen als gedacht.
Aston Martin will die Zuverlässigkeit des V12 Vantage testen, der erstmals mitfährt. Lexus – direkter Gegner des V12 und natürlich rein zufällig in der gleichen Box – testet zwei LF-A, die neue Sportwaffe. Eine Scirocco-Armada rollt das Feld von hinten auf, nicht ohne beim Boxenstopp auf der Anzeigetafel dem neuen Deutschen Fußballmeister Wolfsburg zu gratulieren. Gleich zu Beginn des Dauerlaufes liefert sich der dreimalige 24h-Sieger, der Porsche 911 GT3 RSR von Manthey, ein faszinierendes Sprintrennen mit dem Überraschungs-Polesetter Ford GT von Raeder. Motorsport vom Feinsten...

Konzernduell: Porsche gegen Audi
Konzernduell: Porsche gegen Audi
Noch ein Manthey: 911 GT3 Cup S
Noch ein Manthey: 911 GT3 Cup S
Noch lange zu fahren...
Noch lange zu fahren...
Nur zum Start wurde geschoben: Aston Martin V12 Vanatge
Nur zum Start wurde geschoben: Aston Martin V12 Vanatge
Optische Offenbarung: Audi R8 LMS
Optische Offenbarung: Audi R8 LMS

Am Ende der 24 Stunden ist Manthey wieder Sieger, die Piloten wieder wach und die Fans wieder nüchtern. Nur die von 235000 Fans zertretene Grüne Hölle ist nicht mehr das, was sie vor einem Tag noch war: Müll, Pfandflaschen und menschlichen Ausscheidungen haben sie in unmittelbarer Nähe zum Asphalt zur braunen Höhle gemacht.
Aber sie hat ja zum Glück ein Jahr Zeit, zu regenerieren...

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