So ist das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring: britische Coolness gegen japanische Ordnung, französische Baguette gegen deutsche Currywurst, 200 PS gegen 500 PS, Ford Mondeo gegen Audi R8 LMS, VW Scirocco Erdgas gegen Ford GT. Und das Publikum hautnah an den aktiven Piloten, die Piloten hautnah am Feuerwerk beim Wippermann. 24h in der Eifel, das ist Stuck zum Anfassen, Viper zum Streicheln, Eifel zum Feiern.
Die Hardcore-Fans bauen schon sieben Tage vorher ihre 50-Quadratmeter-Häuser am Brünnchen, Musikanlagen zwingen allein mit ihren Bässen gestandene Autoanhänger in die Knie. Deutsche Schlager werden genauso kritiklos konsumiert wie Bier aus ganz Deutschland, und in der Nacht vom Sonnabend auf den Sonntag, wenn das Rennen schon acht Stunden läuft, leuchten starke Beamer durch dichten Qualm zwischen Karussell und Pflanzgarten, der die Diskussion über CO2 aus Autoauspüffen ad absurdum führt – der neutrale Beobachter denkt da eher an CO3 oder CO4... Es stinkt, als hätte sich so manch mitgebrachter Suppenhund den Schwanz am Grill verbrannt, fluchende Sanitäter quälen sich mit Schnapsleichen im Gepäck durch den Stau auf der B 412. Wer jetzt noch ernsthaft dem Renngeschehen folgt, hat entweder zu wenig Alkohol dabei oder sich in der Tribüne geirrt. Kurz: Wunderbar – anders dürfte Deutschlands größte Motorsportparty gar nicht sein.
Da geht es doch deutlich disziplinierter bei den Rennteams zu. Das Hauptgetränk ist bei den meisten Fahrern Wasser, die Hauptmahlzeit eine Pille gegen Seekrankheit – das ständige Auf und Ab auf der 25378 Meter langen Strecke macht doch mehr Piloten zu schaffen als gedacht.
Aston Martin will die Zuverlässigkeit des V12 Vantage testen, der erstmals mitfährt. Lexus – direkter Gegner des V12 und natürlich rein zufällig in der gleichen Box – testet zwei LF-A, die neue Sportwaffe. Eine Scirocco-Armada rollt das Feld von hinten auf, nicht ohne beim Boxenstopp auf der Anzeigetafel dem neuen Deutschen Fußballmeister Wolfsburg zu gratulieren. Gleich zu Beginn des Dauerlaufes liefert sich der dreimalige 24h-Sieger, der Porsche 911 GT3 RSR von Manthey, ein faszinierendes Sprintrennen mit dem Überraschungs-Polesetter Ford GT von Raeder. Motorsport vom Feinsten...
Am Ende der 24 Stunden ist Manthey wieder Sieger, die Piloten wieder wach und die Fans wieder nüchtern. Nur die von 235000 Fans zertretene Grüne Hölle ist nicht mehr das, was sie vor einem Tag noch war: Müll, Pfandflaschen und menschlichen Ausscheidungen haben sie in unmittelbarer Nähe zum Asphalt zur braunen Höhle gemacht.
Aber sie hat ja zum Glück ein Jahr Zeit, zu regenerieren...


Mister Wong
Digg
Del.icio.us
Slashdot
Furl
Yahoo
Technorati
Newsvine
Googlize this
Blinklist
Facebook
Wikio
