Deswegen hören wir es auch: „Hinsetzen!!!!“, schallt es von hinten. Es gibt wohl eigene Gesetze bei der Formel 1. Fahnen schwenken und einem damit die Sicht nehmen ist ok, Aufstehen nicht – ich war lange nicht bei der Formel 1. Dabei sind die Betonstufen nun wirklich keine Eierschaukler. Na denn, für die Tribünenruhe setzen wir uns. Können uns die Fahrer eben auch nicht sehen, wenn wir ihnen zuwinken. [...]
Dabei hat es tatsächlich mal wieder gekribbelt. Die Verfolgung von Vettel und Co. im TV ist nett, aber die echten Hochleistungsabgase auf der Haut gibt’s nur direkt an der Strecke. Dazu eine große, gut einsehbare TV-Wand, damit man auch sieht, was sich in den anderen Kurven und an den Boxen so tut: F1 ist ein Erlebnis.
Der neue Freizeitpark drum herum auch, selbst wenn noch nicht alles eröffnet ist: Die Veranstalter freuen sich über 30000 verkaufte Liter Bier am Abend vor dem Rennen im neuen Eifeldorf „Grübe Hölle“, im Ring-Boulevard – dem Eldorado für Hardcore-Merchandising-Fans – tobt das Leben ((Aston Martin hat selten zuvor so viele Textilien in so kurzer Zeit verkauft, bei Ferrari ließen Türsteher nur dann neue Kunden in den Laden, wenn andere ihn verließen...). Und vor der Monster-Disco im neuen Eifeldorf Grüne Hölle standen die Feierwilligen Schlange.
Wobei wir auch beim einzigen Nachteil des gesamten Tages (bis auf das „Hinsetzen“) sind: Stau allerorten. Das begann 4 Kilometer vor dem Nürburgring: Spät Anreisende sind, mit Verlaub, gearscht. Flunkernde Polizisten führen einen auf sinnlose Umwege, um ihre Kreuzung einigermaßen in den Griff zu bekommen; Die Parkplätze in der Ringnähe sind am Rennsonntag gegen 12 Uhr absolut voll, so dass man ständig weitergereicht wird, bis man auf B9 landet – gefühlte zehn Kilometer vom Geschehen, in Wirklichkeit sind es vielleicht vier. Schön, dass es einen Shuttle zur Rennstrecke gibt, schade, dass man nach dem Rennen zu Fuß zu seinem Auto zurücklaufen muss. Das Schlangestehen setzt sich nahtlos bei der für die Tribüne zuständigen Pommesbude fort, was uns letztlich veranlasste, zu hungern.
Nicht besser die Rückfahrt. Die Polizei sperrt akribisch jeden Weg, der der Kürzeste nach Hamburg wäre. Glück haben wir bei der besten Gelddruckmaschine des Nürburgringes, der Tanke an der Döttinger Höhe. Die musste Sonntagabend vermelden, dass Dieselkraftstoff leider alle ist. Das erste Mal seit langem bin ich froh, Super benötigen zu müssen.
Und damit, dass sich spätabends auf den Autobahnen der Verkehr staut, haben wir auch nicht gerechnet. Ein harte Probe war die „Baustelle“ auf der A2 beim Rasthof Aue: Zwei Stunden für sechs Kilometer, weil sich vier Mann mit Taschenlampen den Asphalt anschauen (ok, ein paar Arbeitsgeräte waren auch dabei) und der Verkehr deshalb von drei (!) Fahrspuren auf eine (!) Fahrspur geleitet wurde. Unter uns: Wohin sich die Verantwortlichen ihre Verkehrschilderbrücken stecken konnten, die nach der Baustelle auftauchten und völlig sinnlos 100 km/h anzeigten, hat die genervte Autofahrerschaft durch kollektive Missachtung des Tempolimits Kund getan...
Fazit: Formel 1 immer wieder – aber wenn schon nur für einen Tag, dann am besten mit dem Zweirad anreisen. da gibts dann auch keine Diskussionen über die Stellung der Körper.



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