Könnte man ja noch verstehen, wenn es sich um einen GT handeln würde. Oder ein T-Modell. Oder, auch das geht, ein Weltkugel-Ford, oder vielleicht auch noch eine Badewanne. Aber ich bin mit einem Ford Ka unterwegs.
Ja, das ist der kleinste von Ford, der hier zu haben ist. 69 Benzin- oder 75 Diesel-PS, fesch eingespannt im konzerneigenen Kinetic-Design, modern, zeitgemäß, aber wahrlich kein geborener Hingucker. Also was beim Teutates verleitet die Passanten zu solch ausgeprägter Aufmerksamkeit?
Es sind die Farben. Mein Auto ist hauptsächlich gespensterweiß, aber darüber der Länge nach ein tiefroter Streifen. Dazu Außenspiegelschalen in rot und ein roter Kussmund um den Kühlergrill. Ein Wanderer zwischen den Welten clownesker Farbigkeit und weiblichem Kundengeschmack.
„Individual“ heißt die Ford-Abteilung, die dem Ka – und allen anderen Modellen, allerdings in verschiedenen Ausprägungen – auf Wunsch ein Aufmerksamkeits-Syndrom verpasst. „Individual“ steht hauptsächlich für Farben außen und innen, aber auch für TV in vorderen Kopfstützen (zum Beispiel für S-Max, Galaky und Mondeo) jede Art von Leder und deren Mehrfarbigkeit, andere Pedalerie und natürlich eine ganze Reihe verschiedener Leichtmetallfelgen.
Beim Ka sind es hauptsächlich die Farben, die aus einem netten Kleinwagen einen bunten netten Kleinwagen machen. Auch innen: Auf Wunsch ziert die Extra-Farbe auch Teile der Sitze, des Lenkrades, der Mittelkonsole und des Schaltknaufes, der Handbremse, der Fußmatte und der Türen.



Mit der Individualisierung reitet Ford folgerichtig auf einer modernen Welle: „Der Ka wird viel öfter mit hoher Ausstattung gekauft, als wir das dachten,“ sagt Martin Smith, Designchef von Ford Europe. Auch die Kunden, die dank der Verschrottungsprämie von einem alten großen auf ein kleines neues Auto umsteigen, möchten nicht auf Schickimicki verzichten. Das gilt allerdings auch für die größeren Autos: Der Fiesta wird sehr gerne mit Individual-Attributen versehen, beim S-Max greift sogar jeder fünfte Kunde zu Angeboten aus dem Individual-Katalog.
Geschenkt gibt’s die Knallbonbon-Paktete natürlich nicht. Die äußeren Extrovertierten-Stylings „Digital“ und „Grand Prix“ kosten beim Ka je 750 Euro (Fahrzeugteíle sind teilweise lackiert, teilweise wird Folie aufgeklebt), günstiger ist das sparsamere Design-Thema „Tattoo“ (370 Euro). Innen verlangt Ford für die Farbkleckse 400 Euro. Wer sich für 1150 Euro den Innenraum auch noch teilverledern lassen will, muss „Tattoo“ wählen – ach, wem das zu kompliziert ist, muss er einen Ford-Verkäufer fragen. Sicher ist: je größer das Auto, desto teurer die „Individual“-Ausstattung.



Und desto seriöser ist sie auch. Seinen Sie sicher: Ein Galaxy im vollen „Individual“-Ornat (nur Innenraum 4150 Euro, für außen gibt’s nur andere Felgen) mag zwar hochluxuriös sein, aber es guckt wahrscheinlich kein Schwein...




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