Bocanegra heißt der Spaßverderber, übersetzt „Schwarzer Mund“. Die Seat-Designer hielten es für eine gute Idee, die Kühlermaske und die Frontscheinwerfer des Sondermodells, das es nur in weiß und rot gibt, in Schwarz zu halten. Der Grund ist aber nicht vorrangig, die unschöne Leichenschar erwischter Insekten zu kaschieren. Viel eher soll die Schnauze an den ersten Seat-eigenen Wagen namens 1200 erinnern, der eine dunkle Nase besaß (und nur in Spanien verkauft wurde) sowie den neuen Top-Modellen Ibiza FR und Cupra die Krone aufsetzen und dem Marketing die Möglichkeit zu geben, mit Schlagworten wie „Design-Ikone“ und „Sammlerstück“ zum 25. Ibiza-Jubiläum auf Kundenfang zu gehen.

Tatsache ist: Nötig ist das nicht. Denn die überarbeiteten Power-Ibizen FR und Cupra, dank 1.4-Liter-Vierzylinder mit Turbo- und Kompressor-Aufladung 150 und 180 PS stark, haben Schickimicki gar nicht nötig: Das Pfeilspitzendesign vorne wirkt dynamisch, das Heck ist breiter und damit präsenter.
Ein Novum ist die Kombination eines „Kleinsportwagens“ mit einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe: der 1.4-Liter-Vierzylinder eines jeden Ibiza FR und Cupra ist mit dem VW-Konzern-DSG ausgestattet und kann über Schaltwippen bedient werden. Außerdem besitzen alle drei Varianten das elektronische Sperrdifferential XDS.
Wir schnappen uns den Cupra-Bocanegra für die Testfahrt – weiß-schwarz. Die Ausstattung innen ist schwarz mit roten Nähten, überall prangt das Bocanegra-B. Etwas verwirrend der verwendete Material-Mix aus Kunststoff, Kunststoff und Kunststoff, etwas aufgewertet von Carbon-Optik (optionaler Kunststoff) und Leder bei Lenkrad und Schaltmanschette. Wirkt einiges hochwertig, passt das Billigplastik der Türgriffe so gar nicht in den Gesamteindruck.
Wichtiger aber der Fahreindruck: Da geht die Post ab. Der doppelt aufgeladene 180-PS-Motor (Turbolader und Kompressor) reagiert schnell auf den Gaspedaldruck, wenn auch nicht unmittelbar. Dann ist jede Pferdestärke für nur 6,5 Kilo Wagengewicht zuständig... 7,2 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h sind gut, 225 km/h Spitze ist schnell. Die Lenkung ist angenehm direkt, das Fahrwerk straff, aber nicht hart und damit voll alltagstauglich.
Wirklich billig ist der Spaß allerdings nicht. Der FR kostet 20990 Euro, der 30 PS stärkere Cupra 23190 Euro. Aufpreis fürs Bocanegra-Design: 910 Euro bei FR, 810 Euro beim Cupra.
Übrigens: Werden FR und Cupra unlimitiert produziert, hält Seat die Menge der jeweiligen Bocanegra-Versionen künstlich begrenzt. Na ja, jedenfalls vordergründig: 1000 Stück sollen produziert werden. Pro Jahr.


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