Eigentlich hatte ich erwartet, hinterm Steuer liegen zu können. Oder was man so liegen nennt: Der Rücken aufrecht, aber Füße in Beckenhöhe. So wie in einem MGB mit durchgesessenem Mobiliar. Na, Sportwagen eben.
Wüsste Boris Reinmöller davon, würde er sich wahrscheinlich die Hände reiben. Denn der Deutsche ist als Designer für die Linie des Peugeot RCZ verantwortlich, und die suggeriert: flach, flach, flach. Die seitlichen, geschickt eingesetzten Aluminiumbögen gaukeln ein extrem niedriges Dach vor. Wer aber etwas Abstand nimmt und sich auf Wagenhöhe begibt, erkennt, dass das Dach überall höher ist als die Alu-Streben – und nicht nur dort, wo die Double-Bubble-Konstruktion genug Kopffreiheit vermuten lässt.
Also kein Liegewagen. Und trotzdem ist der RCZ ist etwas Besonderes. Peugeot-Deutschland-Geschäftsführer Thomas Bauch spricht vom „ersten Straßensportwagen des Konzerns“, wenn man mal von ehemaligen Power-Minis wie 205 Turbo 16 absieht. Unterstrichen wird der Alleinstellungsanspruch allein schon durch die Namensgebung: Keine Zahlenkombination mit Null in der Mitte, sondern eine zungebrecherische Buchstaben-Kombi, die keine besondere Bedeutung hat, aber dann doch ein bisschen an die sportlichen RC-Modelle (Rallye, Racing etc) sowie an den Rallye-104 ZS erinnern soll.
Das klingt nach Kompromiss. Und tatsächlich: Der ganze RCZ – abgesehen von seinem Äußeren – ist ein Kompromiss. Was durchaus positiv gemeint ist, denn Peugeot hat im Portfolio eine Menge kompromissloser Produkte: vernünftige, ordentliche, geräumige. Der Schuss Atemraub aber fehlt allen. Bis jetzt.
Kompromiss 1: der Innenraum. Innen ist viel mehr Platz, als man vermutet. Vorne sitzt man gut besesselt ohne Einschränkungen. Hinten (der RCZ ist ein 2+2-Sitzer) schnallt man höchstens die Kinder fest – anstelle von Taschengeldentzug, wenn sie wieder schlechte Zensuren mit nach Hause gebracht haben. Besser ist, den rückwärtigen Raum fürs Gepäck zu nutzen. Dank einer kleinen einteilig klappbaren Rücksitzlehne schluckt der Kofferraum erstaunliche 639 Liter – viel für einen Sportwagen Die Materialen und die Verarbeitung wirken hochwertig, einzig der hochklappende Navi-Monitor oben auf dem Armaturenbrett verströmt den Charme eines Ikea-Schrankes im Hundertwasser-Haus.
Kompromiss 2: der Antrieb. Getreu dem Marken-Credo, stärkemäßig nicht in der obersten Liga mitspielen zu wollen, spendiert der Peugeot-Vorstand dem Löwen-Nachwuchs nicht mehr als 200 PS. Die stammen aus einem 1.6-Liter-Vierzylinder mit Turboaufladung und werden auf die Vorderräder abgegeben. Das reicht für einen Sprint in 7,6 Sekunden, das Top-Tempo mit 235 km/h klingt da noch beeindruckender. Der RCZ ist auch mit 156-Bezin-PS zu haben und mit einem 2-Liter-Diesel mit 163 PS. Sogar eine Sechsgang-Automatik mit Schaltwippen ist erhältlich, aber Peugeot rechnet nicht wirklich mit nennenswertem Absatz – die Peugeot-Klientel ist konservativ und wurschtelt sich am liebsten per Hand durch die leicht zu schaltenden sechs Gänge.
Kompromiss drei: das Fahrgefühl. Schön fest ist er, der RCZ, aber weit entfernt von hart. Das ist genau die Abstimmung für den braven Sparer in den Wechseljahren, dem ein rotes Cabrio zu peinlich, ein extrovertiertes Coupé zu prollig und ein halbhochbeiniger SUV zu langweilig ist. Er bekommt ein Auto, das superleicht zu handhaben ist, das auch bei Top-Speed keine Überraschungen birgt und das durch einen automatisch ausfahrenden Spoiler (Stufe 1 – 19 Grad – ab 85 km/h zur Verbesserung der Aerodynamik, Stufe 2 –34 Grad– ab 155 km/h für erhöhte Fahrstabilität) dezent automobile Libido versprüht.
Kompromiss vier: der Preis. Den halbnackten Basis-RCZ gibt’s ab 26450 Euro. Das ist völlig ok, dafür steht immerhin der außergewöhnlichste Straßen-Peugeot, der zurzeit gebaut wird, vor der Haustür. Dass er in Graz bei Magna-Steyr montiert wird, ist dabei kein Nachteil – entsteht doch in unmittelbarer Nachbarschaft zum Beispiel auch der Aston Martin Rapide. Das 200-PS-Top-Modell und der Diesel kosten je 28950 Euro, was ebenso akzeptabel ist. Bei diesen Versionen gibt es serienmäßig einen Motorsound-Generator, der im Innenraum beim Beschleunigen dafür sorgt, dass man überhaupt etwas hört (Kritiker von künstlichen Geräuschen könnten allerdings anmerken, dass die Töne denen eines verschnupften Jan Delay ähneln, der versucht, durch die Nase zu summen).
Solche Spielchen sind eigentlich überflüssig, denn der RCZ hat künstliche Krücken nicht nötig. Er ist kein Krawallo und kein gnadenloser Spritvernichter (Testzyklusverbrauch 156 PS: 6,7 Liter, 200PS: 6,9 Liter, Diesel: 5,3 Liter). Sogar eine Hybridvariante ist angedacht. Bei der wird ein Verbrennungsmotor die Vorderräder antreiben, den bei Bedarf ein auf die Hinterräder wirkender E-Motor unterstützt.
Der RCZ ist ein Tausendsassa auf französisch. Wer trotzdem dringend einen reinrassigen Peugeot-Sportwagen haben will, in dem man liegen kann, dem bleibt nur der Griff zum 908. Der ist härter, schneller und teurer. Dafür kann man ihn aber auch nur in der Le-Mans-Serie bewegen...





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