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Arktik – die etwas andere Art zu tanken

Geschrieben von: Jens am 14.09.10  » Visionen - Via Blog

Das Hamburger Unternehmen Arktik bietet Autofahrern die Möglichkeit, ihre CO2-Emissionen auszugleichen. Das Prinzip ist einfach: 2 Euro monatlich für die Arktik-Karte und 2 Cent Mehrkosten pro Liter Kraftstoff. Ob dieser Beitrag beispielsweise in Windenergieprojekte in der Türkei oder Biogasprojekte in Indien investiert wird, entscheidet der Kunde selbst. Zudem steuert der derzeitige Kooperationspartner Jet weitere 2,5 Cent pro Liter für die CO2-Neutralisierung bei.

Greenwashing oder ernst gemeinter Klimaschutz? Das wollte die Redaktion von greenmotorsblog.de doch genauer wissen und fragte direkt nach.

In Tübingen kam es dann zu einem Gespräch mit Dominic de Vries, einem der Gründer der Arktik GmbH.

Herr de Vries, wie kommt es dass sie so kurzfristig nach Tübingen kommen konnten?

Ich habe meine Eltern besucht, denn ich komme ursprünglich aus Tübingen und habe hier auch mein Abitur gemacht.

Wie ist die Idee „Arktik“ entstanden und vorallem wie haben sich die Gründer gefunden?

Alle drei Gründer waren zu dieser Zeit Doktoranden der TU Hamburg-Harburg. Die CO2-Neutralisierung ist ein wichtiger Baustein für den Klimaschutz. Im Flugverkehr ist diese Art der CO2-Neutralisierung schon erfolgreich etabliert gewesen, für das Auto gab es so etwas noch nicht. Das Problem, nach dem Tanken nur online seine CO2-Emissionen auszugleichen, wurde durch die Idee der Kartenlösung gelöst. So kann räumlich und zeitlich flexibel etwas für das Klima getan werden.

Aus welcher Motivation heraus ist „Arktik“ entstanden?

Arktik entstand auf der Suche nach einem nachhaltigen Produkt, welches eine wichtige Rolle im Klimaschutz spielen soll. Aus eigener Erfahrung wissen wir, wie schwer es gerade als Autofahrer ist, alltägliche Mobilitätsbedürfnisse und klimabewusstes Handeln zu vereinbaren. Gerade weil Klimaschutz uns alle angeht und viel geredet aber wenig getan wird, wollten wir nicht darauf warten, bis andere irgendwann vielleicht eine Lösung anbieten, sondern selber aktiv werden. Schnell war klar, dass nur eine seriös errechnete Neutralisierung von 100% der CO2-Emissionen für uns Sinn macht. Aus diesem Grunde haben wir uns gezielt für Klimaschutzprojekte entschieden, welche durch den Gold Standard zertifiziert sind.

Welches Projekt im Bereich „alternative Antriebsformen“ sehen Sie als größte Konkurrenz?

Arktik sieht sich mehr als Ergänzung und nicht als Konkurrenz zu alternativen Antriebsformen. Mit der
Arktik-Karte soll eine Brücke zu den neuen Technologien, welche in den nächsten zehn Jahren
kommen werden, geschlagen werden. Bislang gibt es auf dem deutschen Markt keine vergleichbare
Kartenlösung.

Im Vorfeld unserer Recherche wunderten wir uns darüber, dass einer der Gründer, Frank Tietze, schon wieder ausgeschieden ist. Wie kam es dazu?

Frank Tietze ist nicht mehr Teil des operativen Tagesgeschäfts, da er in verstärktem Maße seine universitäre Karriere verfolgt. Trotzdem ist er dem Unternehmen sehr verbunden und weiterhin aktiv unterstützend für Arktik unterwegs.

Wer ist der typische Arktik-Kunde?

Im Prinzip kann man sagen, dass sind alle Autofahrer, die etwas für den Klimaschutz tun wollen, deshalb gibt es auch keinen typischen Arktik-Kunden. Sozio-demographisch lässt sich das daher auch nicht klar einteilen. Tendenziell ist dieser aber am ehesten zwischen Ende 20 und Ende 50, Akademiker sind gut vertreten und oft kommen sie aus urbanem Umfeld.

Dominic de Vries, Arktik GmbH
Dominic de Vries
Wer führt die Klimaprojekte durch?

Alle unsere Klimaschutzprojekte werden von einer UNO-anerkannten Stelle überprüft. Unser Partner First Climate unterstützt uns bei der Auswahl der Klimaschutzprojekte, die Bereitstellung, die transparente Abwicklung des Kaufs und die Stilllegung der Zertifikate in offiziellen Registern.

Ist die Kooperation mit Jet verlängert worden? Wenn ja auf wie lange oder unbefristet?

Die Kooperation von Jet und Arktik läuft weiter. Nur die Exklusivität war auf die ersten 6 Monate beschränkt.

Sind zukünftig weitere Kooperationen geplant?

Die Kooperation mit einem weiteren großen Tankstellenunternehmen bahnt sich konkret an. Wir arbeiten daran noch in diesem Jahr mit dem neuen Kooperationspartner eine Lösung für den Gewerbekunden anzubieten, ab nächstes Jahr dann auch voraussichtlich im privaten Bereich.

Schnell möchte man ja annehmen, dass der Kunde die Arktik-Karte nur verwendet, um sein Gewissen zu beruhigen. Daher nun zu einer Frage, die uns besonders interessiert: Wie lässt sich der Fortschritt alternativer Antriebe mit dem Geschäftskonzept von Arktik vereinbaren ohne für den Gedanken „Weg vom Öl“ kontraproduktiv zu sein?

Sie meinen, ob die Karte somit das konventionelle Autofahren uneingeschränkt legitimiert? Die Antwort lautet ganz klar: nein! Kunden, die die Arktik-Karte kaufen und Geld für die CO2- Neutralisierung ausgeben, sind in der Regel verantwortungsbewusste Kunden. Wir wollen den Kunden nicht pädagogisch erziehen, sondern informieren und für diesen ein transparentes Produkt anbieten.

Der Effekt zeigt sich in einer jüngst durchgeführten Umfrage: So gaben erfreuliche 12% der Kunden an, gezielt weniger Auto zu fahren, da sie sich der Belastung des Autos für die Umwelt mehr bewusst werden. Ein Teil der Kunden verändert sein Fahrverhalten nicht, da sie auf ihr Auto angewiesen sind. Lediglich 2% gaben an, etwas mehr zu fahren.

Wie sehen Sie die Zukunft von Arktik?

Unser großes Ziel ist es, die Infrastruktur zu erweitern und weitere Kooperationspartner zu finden. Unsere Vision ist, dass 10% der deutschen Autofahrer die Karte nutzen. Mittelfristig soll auch die Schweiz und Österreich angegangen werden. Es gibt auch schon Ideen in der Schublade ein solches System für den Flugverkehr einzusetzen. Vielleicht werden wir auch langfristig selbst die Möglichkeit haben, Klimaschutzprojekte zu organisieren.

Das Interview führten Thomas Endriß und Jens-Christian Haug (greenmotorsblog.de).

www.greenmotorsblog.de

Original: greenmotorsblog.de - Auf dem Weg zu nachhaltigen Automobilen


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